Füllstands- und Pegelsensoren in Hürm

Wie aus einfachen Messwerten eine intelligente Gemeindeanwendung wurde

Digitalisierung muss nicht immer mit komplexen Systemen beginnen. Manchmal startet sie mit einer ganz einfachen Frage: Wo besteht gerade tatsächlich Handlungsbedarf?

Während meiner Zeit bei Brantner entwickelte ich für die Gemeinde Hürm eine sensorbasierte Lösung zur digitalen Erfassung von Füllständen und Pegelständen. Das Projekt zeigte, wie sich kommunale Abläufe mit vergleichsweise einfacher Technik transparenter, effizienter und vorausschauender gestalten lassen.

Zwei Anwendungen, ein gemeinsames Prinzip

Ob ein Sammelbehälter voll ist oder ein Wasserpegel steigt: In beiden Fällen wurden Informationen traditionell häufig durch regelmäßige Kontrollfahrten oder persönliche Beobachtungen erhoben.

Das bedeutete, dass Behälter teilweise kontrolliert oder entleert wurden, obwohl noch ausreichend Kapazität vorhanden war. Gleichzeitig konnten sich Pegelstände zwischen zwei Kontrollen unbemerkt verändern.

Die von mir entwickelte Lösung sollte diesen Zustand verändern. Sensoren erfassten die jeweiligen Messwerte direkt vor Ort und übermittelten sie an eine zentrale digitale Plattform. Dadurch entstand ein aktuelles Bild der Situation, ohne dass jeder Standort persönlich kontrolliert werden musste.

Vom Sensor bis zur nutzbaren Information

Meine Aufgabe bestand nicht nur darin, einen passenden Sensor auszuwählen. Entscheidend war die Entwicklung einer durchgängigen Lösung:

  • Definition der konkreten kommunalen Anwendungsfälle

  • Auswahl und technische Integration geeigneter Sensoren

  • energieeffiziente Übertragung der Messwerte

  • zentrale Speicherung und Aufbereitung der Daten

  • übersichtliche Darstellung in einem Dashboard

  • Definition von Schwellwerten und automatischen Benachrichtigungen

  • Erprobung unter realen Bedingungen

Für die Datenübertragung kam LoRaWAN zum Einsatz. Diese Funktechnologie eignet sich besonders für Sensoren, die nur kleine Datenmengen übertragen, dafür aber über lange Zeit möglichst energieeffizient und mit großer Reichweite arbeiten sollen.

Der einzelne Messwert war dabei nur der Anfang. Der eigentliche Nutzen entstand durch die Verbindung von Sensorik, Datenübertragung, Visualisierung und automatisierten Alarmen.

Füllstände bedarfsgerecht überwachen

Füllstandsensoren ermöglichten es, den aktuellen Zustand eines Behälters digital zu erfassen. Auf der Plattform konnte sichtbar gemacht werden, welche Behälter noch ausreichend Kapazität hatten und wo eine Entleerung notwendig wurde.

Damit eröffneten sich mehrere Möglichkeiten:

  • Vermeidung unnötiger Kontroll- und Entleerungsfahrten

  • frühzeitige Erkennung voller Behälter

  • bedarfsgerechte Planung von Entleerungen

  • bessere Auslastung vorhandener Kapazitäten

  • Erkennung wiederkehrender Füllstandsmuster

  • langfristig auch die Optimierung von Sammelrouten

Anstelle eines ausschließlich starren Zeitplans konnte der tatsächliche Bedarf stärker in die Einsatzplanung einbezogen werden.

Pegelstände frühzeitig erkennen

Bei Pegelstandsensoren stand eine andere Aufgabenstellung im Vordergrund. Hier ging es darum, Veränderungen von Wasserständen laufend sichtbar und nachvollziehbar zu machen.

Durch die regelmäßige Erfassung entstanden Zeitreihen, mit denen nicht nur ein aktueller Pegel, sondern auch dessen Entwicklung beurteilt werden konnte. Bei der Überschreitung definierter Grenzwerte konnten automatische Meldungen ausgelöst werden.

Dadurch ergaben sich unter anderem Möglichkeiten für:

  • die Überwachung kritischer Wasserstände

  • die frühzeitige Erkennung auffälliger Entwicklungen

  • automatische Warnungen bei definierten Grenzwerten

  • die Dokumentation vergangener Ereignisse

  • eine bessere Grundlage für kommunale Entscheidungen

  • die spätere Ergänzung um Niederschlags- oder weitere Umweltdaten

Die Sensorik ersetzte dabei nicht die Entscheidung des Menschen. Sie sorgte aber dafür, dass Verantwortliche schneller über eine Veränderung informiert wurden und auf eine bessere Datengrundlage zurückgreifen konnten.

Eine Plattform für weitere Anwendungen

Ein wichtiger Gedanke des Projekts war die Erweiterbarkeit. Die technische Grundlage sollte nicht auf einen einzigen Sensortyp beschränkt bleiben.

Über dieselbe Infrastruktur konnten perspektivisch auch weitere Werte wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bodenfeuchte oder andere kommunal relevante Umweltdaten erfasst werden. So konnte aus einem einzelnen Pilotprojekt schrittweise ein flexibles Sensornetzwerk entstehen.

Gerade für kleinere Gemeinden war dieser Ansatz interessant. Eine Smart City muss keine Millionenstadt sein. Auch eine ländliche Gemeinde kann mit gezielt eingesetzter Sensorik konkrete Probleme lösen und ihre vorhandenen Ressourcen effizienter einsetzen.

Was ich aus dem Projekt mitgenommen habe

Das Projekt in Hürm bestätigte für mich einen Grundsatz, der mich bis heute begleitet: Ein Sensor alleine ist noch keine digitale Lösung.

Erst wenn Messstelle, Datenübertragung, Plattform, Auswertung, Alarmierung und organisatorischer Prozess zusammenspielen, entsteht ein wirklicher Nutzen. Die Technik muss sich an der Aufgabe orientieren – nicht umgekehrt.

Füllstands- und Pegelsensoren waren deshalb weit mehr als kleine Geräte, die regelmäßig Zahlen übermittelten. Sie waren ein praktischer Einstieg in datenbasierte Entscheidungen und zeigten, wie Digitalisierung im kommunalen Alltag konkret funktionieren kann.

Das Ziel war nicht, möglichst viel Technik einzusetzen. Das Ziel war, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Information verfügbar zu machen.